Augenuntersuchung - Arzt mit Laptop, Stethoskop

Das Auge: Spiegel zu unserer Gesundheit

Wieso ein Blick ins Auge Leben retten kann

Die Augen sind ein hochsensibles Organ. Dennoch gehen die meisten Menschen erst dann zum Augenarzt, wenn sie schlechter sehen oder eine akute Erkrankung haben. Und selbst wenn bereits eine Sehhilfe benötigt wird, verzichten viele auf regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Das kann nicht nur der Sehkraft, sondern der gesamten Gesundheit zum Verhängnis werden. Denn: Mit einem Blick ins Auge kann eine Vielzahl an Krankheiten entdeckt werden, die lebensbedrohlich sind.

Diabetische Retinopathie: Hauptursache für Erblindung

So offenbart eine Untersuchung des Auges einen intensiven Blick in den Körper des Patienten und kann zum Beispiel Aufschluss darüber geben, ob der Patient an einer Krebserkrankung leidet. Noch häufiger diagnostizieren Augenärzte jedoch Diabetes, der mittlerweile zu einer Volkskrankheit avanciert ist. Allein in den letzten 35 Jahren stieg laut WHO die Zahl der weltweit Erkrankten von 108 auf 422 Millionen. Wird die diabetische Retinopathie zu spät erkannt, kann dies zu einem vollständigen Verlust des Augenlichts führen. In den westlichen Ländern ist diese Erkrankung die Hauptursache für eine Erblindung.

MS-Diagnose durch Augenarzt

Plötzlich auftretende Sehstörungen weisen nicht unbedingt darauf hin, dass mit dem Auge etwas nicht stimmt. Vorübergehende Sehschwächen können bereits ein Signal dafür sein, dass der Patient von einem ‚kleinen‘ Schlaganfall beziehungsweise einer Transitorischen Ischämischen Attacke heimgesucht wurde, auf die ein schwerer Schlaganfall folgen kann. Entzündete Augen können dagegen auf eine rheumatische Erkrankung hinweisen und ein entzündeter Sehnerv kann ein erstes Anzeichen für Multiple Sklerose sein. Hier verläuft die Diagnose ähnlich wie bei dem Diabetes. Die Patienten erfahren von der Erkrankung durch ihren behandelnden Augenarzt. Deshalb sollte man auch kurzweilige Sehschwächen oder andere Augenbeschwerden nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Parkinson und Alzheimer schneller erkennen

Durch die Retina und den Sehnerv besteht eine direkte Verbindung zwischen Auge und Gehirn. Wissenschaftler erhoffen sich dadurch, schneller eine Diagnose wie Parkinson stellen zu können. Dazu gehören zum Beispiel Symptome wie entzündete Augenlider oder verminderter Tränenfluss.

Normalerweise wird die Diagnose Alzheimer über ein Ausschlussverfahren anderer Erkrankungen und viele weitere Tests gestellt. In Zukunft erhoffen sich Forscher weltweit über einen Retina-Scan eine schnellere und sichere Diagnostik. Bei der häufigsten Form der Demenz lagern sich Beta-Amyloid-Eiweiße in der Netzhaut und in der Augenlinse ab. Und zwar sehr viel eher, bevor diese im Gehirn des Patienten Schaden anrichten. Schätzungsweise sind die neuen Technologien in fünf bis zehn Jahren auch in der Praxis anwendbar.

Doppelt vorsorgen!

Und „spinnt“ man den Verlauf einer Erkrankung weiter, kann der Gang zum Augenarzt nicht „nur“ Leben retten, sondern verhindert oder verzögert eine frühzeitige Pflegebedürftigkeit. Erkrankungen wie MS, Schlaganfälle, Krebs oder Diabetes können bekanntlich nicht nur ältere Menschen treffen. Für einen Betroffenen der Mitte 30 ist, würde solch eine Diagnose einen tragischen Einschnitt in sein bisheriges Leben bedeuten. Angefangen bei einer möglichen Berufsunfähigkeit, bis hin zu einer frühen Pflegebedürftigkeit. Deshalb sollte nicht nur der Gang zum Augenarzt eine ernstzunehmende Vorsorge sein, sondern auch eine rechtzeitige finanzielle Absicherung.

Titelbild: © Ramona Heim