Fehlendes EU-Puzzleteil Großbritannien

Brexit – Was Urlauber jetzt wissen müssen

Nicht nur ein Puzzlestück, das fehlt: Für viele Deutsche war Großbritannien in den letzten Jahren ein beliebtes Urlaubsziel. Nach langem Hin und Her ist der Brexit seit dem 31. Januar fix: Das Vereinte Königreich ist kein Teil der EU mehr. Was bedeutet das für reiselustige Deutsche? Ist der spontane Städtetrip nach London oder die Sprachreise nach Cornwall noch ohne weiteres möglich? Wir haben einen Überblick für Sie zu den aktuellen Bestimmungen.

Inhalt

Übergangszeit 2020: Alles bleibt erstmal beim Alten

Bis Ende 2020 gibt es eine Übergangsphase, während der die Europäische Union und das Vereinte Königreich alle Verträge aushandeln wollen. Rund 27 Millionen EU-Bürger reisen jedes Jahr nach Großbritannien, davon sind etwa zwei Drittel der Besucher aus dem Ausland. Somit sind europäische Touristen sehr wichtig für die Briten. Daher legen sie Wert darauf, die Einreise für EU-Bürger möglichst unkompliziert zu gestalten. Somit ändert sich in den kommenden neun Monaten erst einmal nichts, weder für Reisende noch für die geschätzt 3,6 Millionen in Großbritannien lebende EU-Bürger. Sie können weiterhin ohne Visum mit Ihrem Personalausweis einreisen und unterliegen keiner Anmeldepflicht. Sie können auch weiterhin kostenfrei zum Arzt gehen. Wie es nach dem Stichtag des 1. Januar 2021 weitergeht, ist allerdings bis dato nicht bekannt. Eine Infoseite der Britischen Regierung hält Sie darüber auf dem Laufenden.

Was sich bei Grenzkontrollen ändert

Grenzkontrollen werden bereits durchgeführt und werden auch in Zukunft Bestand haben. Das Vereinte Königreich ist dem Schengener Abkommen zur Abschaffung der stationären Grenzkontrollen an den Binnengrenzen nicht beigetreten. Daher wurden die Personenkontrollen an den Grenzen nie abgeschafft.

Auswirkungen auf den Flug- und Bahnverkehr

Im Luftverkehr zwischen Großbritannien und der Europäischen Union gibt es künftig einiges zu regeln. Auch hier greift vorerst die Übergangsvereinbarung, die gewährleistet, dass der Flugbetrieb weiter exakt so erfolgt wie vor dem Brexit. Dass Großbritannien aus der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) ausscheidet, hat für Passagiere daher keine konkreten Auswirkungen. Jedoch muss innerhalb weniger Monate zwischen den Staaten ein Luftverkehrsabkommen zustande kommen. Darin werden Start- und Landerechte, Sicherheitsfragen und der Zugang britischer Airlines zum europäischen Markt festgehalten.

Stornierte oder stark verspätete Flüge werden nach wie vor mit bis zu 600 Euro entschädigt, sofern der Flug in der EU beginnt oder von einer Airline mit Hauptsitz in der EU durchgeführt wird. Auch nach der Übergangszeit können Passagiere mit einem finanziellen Ausgleich für stundenlange Wartezeiten rechnen. Denn die Regierung Großbritanniens hat die Absicht, die geltenden EU-Reglungen zu übernehmen. Mit dem Zug, der Fähre oder dem Bus reisen Sie ebenfalls nach dem Brexit wie davor: Die geltenden Fahrgastrechte wurden bereits in britisches Recht übertragen.

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Anerkennung des deutschen Führerscheins

Problemlos können Sie auch nach dem Brexit mit deutschem Führerschein im Mietwagen oder im eigenen Auto durch Großbritannien fahren. Ein internationaler Führerschein ist hierfür nicht notwendig. Wenn Sie mit dem eigenen Wagen reisen, packen Sie die Grüne Versicherungskarte ein. So haben Sie auch im Ausland einen Nachweis dafür, dass für Ihr Fahrzeug eine Haftpflichtversicherung besteht.

Urlaub wird durch den Brexit nicht teurer

Es ist eher nicht damit zu rechnen, dass der Urlaub durch den Brexit teurer wird. Ganz im Gegenteil: Denn der Kurs des Britischen Pfunds ist im Vergleich zum Euro um etwa zehn Prozent seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 gefallen. Zudem können Sie auch künftig Ihre Hotelbuchungen entspannt mittels SEPA-Überweisung bezahlen.

Welche Zollabgaben durch den Brexit anfallen

Bis Ende 2020 müssen Sie sich bei einer Reise nach Großbritannien nicht um eine Zollabgabe sorgen, wenn sie zum Beispiel persönliche Souvenirs mitführen. In der Übergangszeit können Ein- und Ausreisende Freimengen für Waren des persönlichen Gebrauchs nutzen. Urlauber ab 17 Jahren dürfen beispielsweise bis zu 800 Zigaretten sowie 90 Liter Wein mitbringen.

Wenn jedoch nach Ablauf des Jahres 2020 kein Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU in Kraft tritt, könnte Deutschland zollrechtlich als Drittland gelten. Damit fielen die geltenden Freimengen bei der Ein- und Ausfuhr deutlich schmaler aus als aktuell. Der Deutsche Zoll hält Sie über aktuelle Einfuhrbestimmungen für Nicht-EU-Länder sowie Neuerungen auf dem Laufenden.

Welche Auswirkungen der Brexit auf die Reisekrankenversicherung hat

Auch hier gilt die Übergangsfrist bis zum Ende des Jahres: Bis dahin werden gesetzlich Versicherte nach Angaben des Verbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auch in Großbritannien in allen Praxen des National Health Service behandelt. Wie danach verfahren wird, ist noch nicht klar. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, ist mit einer privaten Auslandskrankenversicherung gut beraten. Verbraucherzentralen empfehlen diese ohnehin für jegliche Reisen, sowohl innerhalb als auch außerhalb Europas.

Roaming-Gebühren nach dem Brexit

Seit die EU die Roaming-Gebühren abgeschafft hat, surfen und telefonieren Sie in Großbritannien aktuell zum selben Preis wie zu Hause in Deutschland. Theoretisch könnte sich das durch den Brexit ändern. Bis zum Jahresende bleibt alles wie bisher. Auch in Zukunft deutet nichts auf einen Kostenanstieg bei der Smartphone-Nutzung in Großbritannien hin: Große, deutsche Mobilfunkanbieter bieten auch in anderen Nicht-EU-Staaten wie Norwegen, Island und Liechtenstein gebührenfreie Telefonie-Tarife an.

Wie Sie nicht nur sicher sondern auch klimafreundlich reisen, erfahren Sie in unserem Beitrag “Tipps für einen umweltfreundlichen Urlaub“.

Titelbild: © pixinoo/ iStock.com

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