4er Bob von Bobteam Nico Walther

Bobpilot Nico Walther – Erfolg nur im Team… und mit den richtigen Socken

Bob-Pilot Nico Walther

Nico Walther im Interview: Der 29-jährige Sachse spricht über seinen Wechsel zum Bobsport, Trainingsmethoden und seine Vorbereitung für die BMW IBSF Bob & Skeleton WM 2020 presented by IDEAL Versicherung in Altenberg.

Bis 2010 waren Sie im Rennrodeln aktiv. Was war der Auslöser für den Wechsel zum Bobsport, was hat Sie am Bobsport gereizt?
Im Rennrodeln waren wir im Juniorenbereich relativ erfolgreich, aber leider hat der letzte Schritt in die absolute Weltspitze nicht so funktioniert, wie wir uns das erhofft hatten. Da ich schon immer recht schnell laufen konnte – was für den Bobsport sehr gut ist –, war es naheliegend, das Bobfahren auszuprobieren. Außerdem bin ich in Altenberg aufgewachsen, da wird man mit der Bobbahn groß und hat als Kind schon immer fasziniert zugeschaut. Mit meiner Entscheidung zu wechseln bin ich hochzufrieden.

Welche Rolle spielt die Ernährung für die sportliche Leistungsfähigkeit? Auf welche Lebensmittel schwören Sie besonders?
Ein Lebensmittel, auf das ich besonders schwöre, gibt es nicht. Aber es ist natürlich im Allgemeinen wichtig, dass man darauf achtet, sich gut zu ernähren – vor allem in den Trainingsphasen. Ich lege Wert auf eine ausgewogene Ernährung. Das heißt, nicht dreimal in der Woche Fast Food, sondern viele Vitamine, genug Eiweiße und natürlich auch Kohlenhydrate– vor allem vor dem Training.

Gönnen Sie sich im Alltag auch mal etwas „Ungesundes“?
Ja, natürlich. Wir sind ja auch nur Menschen. Hin und wieder muss das auch erlaubt sein – aber in Grenzen. Ich baue also ab und zu einen „Cheat-Day“ ein.

Was ist der härteste Aspekt des Bobsports: Die Trainingsmethoden oder die mentalen Anforderungen?
Als ich vom Rodeln zum Bobsport gekommen bin, war die Umstellung auf das Bobtraining erstmal sehr hart. Die Beinmuskulatur ist bei den Rodlern weniger relevant, aber bei den Bobfahrern elementar wichtig. Gerade das Krafttraining ist extrem anstrengend. Das merkt man, wenn man älter wird, in den Knochen und Gelenken. Außerdem ist es beim Bobsport wichtig, dass alle als Team zusammenarbeiten. Denn ein Pilot oder ein Anschieber können noch so gut sein, allein können sie nichts erreichen. Für den Erfolg ist ein gut funktionierendes Team Voraussetzung.

Also würden Sie sagen, dass die Trainingsmethoden definitiv härter waren als die mentalen Anforderungen?
Ja, das denke ich schon. Ich glaube, es gibt Menschen, die gut mit mentalen Herausforderungen umgehen können, also unter Druck Leistung bringen. Andere Leute kommen damit nicht so gut zurecht. Ich gehöre eher zu der ersten Sorte. Ich mag solche Situationen: Wenn man bei den Olympischen Spielen am Start steht und weiß, jetzt kommt es darauf an: vier Jahre Training für zwei Minuten. Das ist eine schöne Situation.

Bobfahren geht auf den Rücken. Wie beugen Sie Schäden vor?
Bei mir macht sich der Rücken immer wieder bemerkbar. Um dem vorzubeugen, ist ein guter Physiotherapeut wichtig. Den habe ich zum Glück und der behandelt mich einmal in der Woche. Neben einer guten Rumpfmuskulatur müssen Bauch, Rücken und die seitliche Rumpfmuskulatur gestärkt werden. Durch den Muskelaufbau wird die Wirbelsäule gestützt, was wiederum die Bandscheibe schützt. Das ist wirklich elementar, gerade wenn man schon etwas trainingsälter ist. Aber auch die kleinen Muskeln, die nicht durch die typischen Übungen aufgebaut werden können, gehören zu meinem Training. Wir machen zum Beispiel auch viel Stabilitätstraining mit einem wackligen Untergrund.

Wie trainieren Sie Ihre Ausdauer?
Die Ausdauer ist bei Bobfahrern nicht so entscheidend. Es gehört trotzdem zum Grundlagentraining im Frühjahr. Ansonsten stehen die Muskulatur für die Ausdauer und die Muskulatur für die Schnellkraft eher im Gegensatz zueinander. Deshalb betreiben wir im Saisonverlauf auch kein klassisches Ausdauertraining. Denn darunter würde die Schnelligkeit leiden.

Unterscheidet sich Ihr Training im Sommer von dem im Winter?
Im Sommer trainieren wir in einem deutlich größeren Umfang. Hier bilden wir die Grundlage und unter anderem auch die Muskulatur aus. Den Winter verbringen wir fast jeden Tag an der Bahn. Außerdem trainieren wir die Belastungsspitzen, um die Schnelligkeit zu steigern. Das Training im Sommer ist aber auf jeden Fall anstrengender.

Haben Sie ein paar einfache Tipps, wie man sich in der kalten Jahreszeit fit halten kann?
Ich hab das Glück, dass ich sehr kälteunempfindlich bin. Dafür ist es mir ab 25 Grad schon zu heiß. Ich glaube, mein ganzes Temperaturempfinden ist etwas verschoben. Mir kommt zugute, dass ich seit meiner Kindheit Wintersport betreibe und daher abgehärtet bin. Es hilft also, wenn man sich frühzeitig an kalte Temperaturen gewöhnt. Als Kind stand ich im Winter regelmäßig bei minus 10 Grad zwei Stunden im dünnen Rodelanzug an der Bahn. Das war ein gutes Training. Und wie das im Sport immer so ist: Wer viel trainiert, dem fällt es dann irgendwann leichter.

Sie bereiten sich gerade auf die WM 2020 vor. Was tun Sie, um das Beste aus Ihrem Körper herauszuholen?
Im Prinzip machen wir alles wie immer. Da es sich dieses Mal um eine Heim-WM handelt, liegt der Stellenwert allerdings schon höher. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass wir im Training die letzte Wiederholung, die wir normalerweise weglassen würden, doch noch ausführen. Man ist einfach ein bisschen intensiver dabei als sonst.

Haben Sie bestimmte Rituale direkt vor dem Start?
Ich fahre tatsächlich jedes Rennen mit den gleichen Socken – FC Bayern Socken. Ich bin eigentlich schon immer Bayern Fan. Bei meinem dritten Weltcup hatte ich die Socken das erste Mal an und wir haben gewonnen. Seitdem trage ich sie bei jedem Rennen. Aber natürlich wasche ich sie auch regelmäßig. Generell verfolge ich sehr viele Sportarten und da gehört eben auch Fußball dazu.

Wie sieht Ihr Leben aus, wenn Sie gerade nicht trainieren?
Als Bob-Pilot habe ich neben dem Training noch einige andere Aufgaben. Ich muss mich zum Beispiel um meine Mannschaft kümmern, um ein gutes Team zusammen zu haben. Dazu kommt die Organisation: Vor allem die Materialinspizierung beansprucht viel Zeit. Aber auch die Sponsorensuche: Wir haben uns gerade einen neuen Bob angeschafft, der muss finanziert werden. Mit der IDEAL Versicherung haben wir da einen super Sponsor. Aber dieser ganze Organisationsaufwand ist wirklich nicht zu unterschätzen. Ansonsten bin ich froh, wenn ich mal zwei, drei Minuten Freizeit habe. Dann gehe ich zum Beispiel gerne ganz entspannt mit unserem Hund im Wald spazieren.

Erleben Sie Nico Walther live und fiebern Sie mit bei der BMW IBSF Bob & Skeleton WM 2020 presented by IDEAL Versicherung vom 17. Februar bis zum 1. März 2020 an der Bobbahn in Altenberg!

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