Augenuntersuchung - Arzt mit Laptop, Stethoskop

Big Data im Gesundheitswesen: Überwachung versus schnellere Diagnostik

Kann die Digitalisierung Menschenleben retten?

Die Speicherung der persönlichen Daten mithilfe modernster Informationstechnologien ist vor allem im Gesundheitswesen ein heiß diskutiertes Thema. Was bringt es dem Einzelnen, wenn dessen Gesundheitsdaten über soziale Netzwerke, mobile Apps oder Online-Patiententagebücher gesammelt werden? Geht man von den neuesten Untersuchungen aus, kann diese sehr persönliche Überwachung sogar ein Menschenleben retten. Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin wurde die Zukunft der „Internetmedizin“ durchleuchtet. Vor allem die Japaner scheinen den Europäern dabei weit voraus.

Ethikrat befürchtet Datenmissbrauch

Dennoch beschäftigt sich der Ethikrat mit der neuen und hochsensiblen Form der Gesundheitsversorgung beziehungsweise des sogenannten Open-Data-Trends. Zwar können die sehr viel schneller zugänglichen Patienteninformationen der Diagnostik, den Therapien und der Forschung neue Tore öffnen. Dennoch besteht eine zunehmende Gefahr, dass diese nicht nur für den eigentlichen Zweck genutzt und stattdessen für andere Analysen missbraucht werden könnten. Der Ethikrat sieht dabei auch das vertrauensvolle und persönliche Arzt-Patienten-Verhältnis gefährdet.

Schnellere und kostensparende Diagnostik

So verständlich die möglichen Nachteile und Risiken auch sein mögen. Aus medizinischer und aus versicherungstechnischer Sicht bieten riesige verknüpfte Datensammlungen, die durch Kliniken und Versicherer zustande kommen, nicht nur eine schnellere Diagnostik, sondern ermöglichen auch ein kostensparendes Verfahren in gesundheitlichen Bereichen wie Blutdruck und Blutzuckermessung. In Deutschland fällt es selbst Medizinern noch sehr schwer, das digitale Zeitalter auch für das Sammeln von Patientendaten zu nutzen. In Japan ist man diesbezüglich längst Vorreiter und überzeugt, dass der demografische Wandel gerade im Gesundheitssektor auf neue und kostengünstigere Maßnahmen angewiesen ist. Laut Statistik kommen dort derzeit noch zwei vollproduktive Bürger für einen Rentner auf. Innerhalb der nächsten 20 Jahre soll sich das Verhältnis allerdings ausgleichen und macht kostensparende Konzepte unumgänglich, so Ryozo Nagai von der Jichi Medical University.

Verbrauchsdaten nicht nur für kommerzielle Zwecke

Grundlegend wird es als Eingriff in die Privatsphäre verstanden, wenn Verbrauchsdaten von medizinischen Produkten gesammelt und mit weiteren personenbezogenen Gesundheitsdaten zusammengeführt und verglichen werden. Was schnell als kommerzieller Vorwurf geltend gemacht wird, kann allerdings wichtige Informationen bezüglich der Effektivität einer bestimmten Therapie aufdecken.

So wird beispielsweise das Medikament Antithrombin III bei Blutgerinnungsstörungen durch schwere Infektionen verabreicht. Diese Maßnahme wird seit Jahren in Frage gestellt. Japanische Wissenschaftler haben dafür sieben Millionen Patientendaten analysiert und dabei den Verbrauch mit der Überlebensrate der Patienten verglichen. Dabei heraus kam ein wenn auch kleiner Vorteil des kontrovers diskutierten Stoffes. Ohne diese Masse von Daten wäre die Analyse allerdings nicht möglich gewesen.

Patientendaten und Supercomputer für optimalen OP-Erfolg

Der wohl wichtigste Punkt, der für den Big-Data-Trend spricht, ist auch der individuellste. Mithilfe eines Supercomputers lassen sich beispielsweise rund 20 Millionen (virtuelle) Zellen zu einem räumlich bewegten Bild zusammenfügen. Solch eine Vorgehensweise kann eine OP am offenen Herzen optimal vorbereiten und das gesundheitliche Risiko, das stets unterschiedlich auf die Behandlung reagiert, minimieren. Ein Supercomputer kann demnach die nächste große Revolution sein und etwa so viel bewirken, wie die Erfindung des Antibiotikums.

Titelbild: © everythingpossible