Älterer Herr bei der Inventur

Amerikanische Studie bestätigt: Wer rastet, der rostet!

Sterberisiko sinkt um 11 Prozent

Wie verbringt eine 100-Jährige Dame ihren Lebensabend? In den meisten Fällen vermutlich in einem Pflegeheim, mit nachmittäglichen Brettspielen, Spaziergängen auf dem Gelände und gelegentlichen Besuchen von der Familie. Doch die Amerikanerin Felimina Rotundo hat sich gegen den Ruhestand und für einen arbeitsreichen Alltag im Waschsalon entschieden und ist überzeugt: „Ich muss zur Arbeit, das tut mir gut!“ Auch in Deutschland soll dieser „Zustand“ dank demografischem Wandel und der sehr guten medizinischen Versorgung in den nächsten Jahren häufiger Realität werden. Hierzulande erntet diese Aussicht auf Arbeitnehmerseite keine großen Begeisterungsstürme. Dabei hält Arbeit länger fit und sorgt für längere Renteneinzahlungen. Einer aktuellen amerikanischen Studie zufolge haben Personen, die sich anstatt mit 65 erst mit 66 pensionieren ließen ein 11 Prozent niedrigeres Sterberisiko.

14 Jahre länger leben = länger arbeiten und Steuern zahlen

Dass die deutsche Bevölkerung immer älter wird, zeigt besonders der Vergleich zwischen den 1950er Jahren und der Gegenwart. Durchschnittlich ist die Lebenserwartung auf 80,89 Jahre und somit um 14 Jahre gestiegen. Daraus ergibt sich nicht nur ein höheres Rentenalter, sondern auch eine längere Zeit als arbeitender Steuerzahler. Und hier ist nicht nur die gesetzliche, sondern vor allem die private Rentenvorsorge unverzichtbar.

Grundlegend soll dies natürlich nicht bedeuten, dass kranke und zerbrechliche Menschen bis ins hohe Alter arbeiten gehen sollen. Vielmehr geht es um Rentner, die sich noch immer als gesund bezeichnen und somit auch in Betracht ziehen können, später als bisher in den Ruhestand zu gehen.

Späteres Rentenalter verringert das Sterberisiko

Für die Erhebung hat sich Studienleiter Chenkai Wu von 12.000 Amerikanern 3000 herausgepickt, deren Gesundheitsdaten ab 1992 zur Einsicht vorlagen und die bis zum Ende der Langzeitstudie, im Jahr 2010, mit 65 oder aber mit 66 in den Ruhestand gegangen sind.

Darauf wurden die 3000 Personen in zwei Gruppen unterteilt. Rund ein Drittel gab an, dass Krankheitsgründe verantwortlich für den Ruhestand waren. Innerhalb des Studienzeitraumes starben 24 Prozent der kranken Rentner. Bei den Gesunden war es nur die Hälfte. Generell fiel das Sterberisiko bei den Gesunden und einem Renteneintrittsalter von 66 Jahren um 11 Prozent niedriger aus. Selbst bei den kranken Befragten, die mit 66 Jahren in Rente gegangen sind, waren es noch neun Prozent.

Auch mögliche verfälschende Faktoren, wie etwa der Lebensstil oder Unterschiede bei finanziellen Mitteln wurden zwar in Betracht gezogen, haben sich allerdings nicht erwiesen.

Aktiv im Alter

Dass für eine längere Lebensdauer nicht gleich das Rentenalter, sondern lediglich die Aktivität gesteigert werden müsste, zeigt eine Studie aus Sydney. Rentner, die sich dort im Schnitt pro Woche anderthalb Stunden mehr bewegten und grundlegend mehr Zeit an der frischen Luft verbrachten, haben sich besser gefühlt, als in der Zeit vor ihrem Ruhestand. Hier bewirkte die endgültige berufliche Auszeit also sogar eine positive gesundheitliche Entwicklung.

Und wie lange möchte Felimina R. noch arbeiten? „Bis ich nicht mehr laufen kann“, so die 100-Jährige. Ihre 80-jährige Berufstätigkeit, wovon sie bereits seit über 40 Jahren an sechs Tagen in der Woche elf Stunden lang Wäscheberge beseitigt, sind ihr eben längst nicht genug.

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