Altersarmut - Pensionärin schraubt am Motorrad

“Altersarmut? Gibt’s nicht!”

„Altersarmut ist heute nicht weit verbreitet. Liegt der Zahlbetrag der GRV aktuell unterhalb von etwa 775 Euro und wird dieser nicht durch zusätzliche Einkommen oder Vermögen, etwa von anderen Familienmitgliedern, erhöht, besteht ein Anspruch auf Grundsicherung im Alter. Bei dieser handelt es sich um eine bedarfsorientierte Leistung des Staates, die existenzielle Armut verhindern soll”, aus dem ergänzenden Bericht der Bundesregierung zum Rentenversicherungsbericht 2016.

Nur drei Prozent der Rentner beziehen derzeit Grundsicherung. Und Statistiken lügen bekanntlich nicht: Das Problem Altersarmut scheint also vom Tisch. Oder laut Bundesregierung: hat es nie gegeben. Armut ist ein relativer Begriff. Und das soll er auch bleiben, wenn es nach dem Willen des Gesetzgebers geht. Deutlich wird dies am jüngst zum medialen Zankapfel stilisierten 5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Zahlen lügen nicht. Oder doch? Zumindest lösen sie die Probleme der von Altersarmut Betroffenen nicht.

Die schöne heile Welt der Zahlen

Schaut man sich die Lebensläufe der Menschen genauer an, wird es schwieriger, das Thema per Definition aus der Welt zu schaffen. Der Meinung ist auch Roland Tichy, ehemaliger Chefredakteur der WirtschaftsWoche. Er führt das Beispiel der 71-jährigen Rentnerin Marion Zeuge ins Feld:

“778 € Rente, also nicht arm und nicht berechtigt zur Grundsicherung nach Sachverständigenrat. Die Miete für die 40-Quadratmeter-Wohnung beträgt 250 €, nicht überhöht. Leider kommen über 200 € Nebenkosten dazu. Bleiben also rund 350 € zum kargen Leben, das ist weniger als der Hartz-IV-Regelsatz von 409 €.”

Marion Zeuge hat zwar jahrelang gearbeitet, dennoch liegt ihr Rentensatz kaum über dem Sozialhilfe-Niveau. “Also doch arm?”, fragt sich Tichy zu Recht. Zu sehen ist der Fall in der ZDF-Sendung “Peter Hahne” vom 01. April 2017.

Armut: ein relativer Begriff

Was lange währt, wird endlich gut. Dass das Sprichwort nicht immer zutrifft, zeigt die Veröffentlichung des 5. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung. Die Veröffentlichung im vergangen April hat lange auf sich warten lassen. Es hagelte Kritik von allen Seiten, weil ganze Passagen umformuliert oder gestrichen wurden. Hauptkritikpunkt: Arme seien laut Bericht nicht wirklich arm, da das Verhältnis zum Durchschnittseinkommen zur Definition herangezogen wurde. Dies führe dazu, dass zu viele Menschen laut Bericht als reich, aber zu wenige als arm zu bezeichnen sind. Das kritisiert auch der Armutsforscher Christoph Butterwegge in einem Interview im Politmagazin Cicero:

“Das ist meine Hauptkritik an dem Regierungsbericht. Wenn man jeden, der halbwegs wohlständig ist, für reich erklärt, gerät der wirkliche Reichtum überhaupt nicht mehr in den Blick. Außerdem wird die Armut verharmlost. Jemand, der weniger als 942 Euro Nettoeinkommen im Monat hat, wird als „armutsgefährdet“ bezeichnet. Er muss aber von diesem Geld, auch wenn er in München oder Stuttgart wohnt, noch seine Miete bezahlen. Ich würde ihn deshalb präziser als einkommensarm bezeichnen.”

Die Rentnerin Marion Zeuge fällt per Definition durch das Armutsraster. Offiziell nicht arm, aber dennoch ein mahnendes Beispiel dafür, was immer mehr Menschen im Alter erwartet. Ein Einkommen, das kaum zum Leben reicht. Der Staat zieht sich aus seiner Verantwortung immer weiter zurück. Das Rentenniveau sinkt. Und am Ende bleibt nur noch das, womit der Einstieg ins Berufsleben begonnen hat. Ein studentisches Einkommen auf Hartz-IV-Niveau. Die private Altersvorsorge ist deshalb ein Thema, das insbesondere junge Berufstätige betrifft. Hier gilt: So früh wie möglich mit der privaten Vorsorge zu beginnen, damit sich die erbrachte Lebensleistung im Alter sprichwörtlich auszahlt.

Titelbild: ©YakobchukOlena

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