Stress - gestresste Frau im Büro, telefoniert

Wie zeigt Stress sich in unserer Wortwahl?

Er ist allgegenwärtig: Stress. Egal ob im Zug, beim Autofahren oder beim zu Fuß durch die Innenstadt gehen. Viele Menschen stehen unter Strom. Und das tagtäglich. Die Gründe dafür sind individuell und vielfältig. Doch laut einer Umfrage des Forsa-Instituts geben 57 Prozent der Befragten an, häufig durch zu hohe Ansprüche an sich selbst gestresst zu sein. Anforderungen des Arbeitgebers und der Familie gerecht zu werden sind demnach die häufigsten Ursachen für Stress.

Stress macht krank

Es ist längst bekannt, dass Stress und Krankheit oft zusammenhängen. Besonders häufig gestresste Personen haben ebenfalls besonders häufig Rücken- und Kopfschmerzen, Muskelverspannungen und Schlafstörungen. In vielen Fällen ist die Folge von Stress auch Burnout. 46 Prozent der häufig gestressten Personen leiden an Erschöpfung und Burnout. Übrigens: Laut einer aktuellen DAK-Studie setzen sich 59 Prozent der Deutschen zum Ziel, im nächsten Jahr Stress zu vermeiden und abzubauen. Platz Eins der guten Vorsätze für 2018.

Wenn die Wortwahl uns verrät

Stress und Sprache? Ein zunächst nicht besonders einleuchtender Zusammenhang. Doch tatsächlich lässt sich unser Stresslevel an der Sprache ablesen lässt. Denn wer unter hoher Anspannung steht, spricht offensichtlich anders. Und auch die Wortwahl verändert sich mit zunehmender Belastung. Das fanden amerikanische Forscher heraus. In einem Experiment zeichnete das Team rund um Wissenschaftler Matthias Mehl von der University of Arizona in Tucson mehrere tausend Gespräche über zwei Tage hinweg auf. Bei der Auswertung wurden vor allem grammatikalische Merkmale und verwendete Wörter analysiert. Mit einer anschließenden Blutprobe der Probanden konnte das Stresslevel bestimmt werden.

Anspannung in der Sprache spürbar

Das Ergebnis ist erstaunlich. Besonders häufig werden von gestressten Personen Adverbien verwendet. Auch Personalpronomen in der dritten Person Singular (“er/sie/es”) sind häufiger im Satz zu finden. Die Pluralvarianten (“sie”, “ihnen”) kommen dahingegen eher selten vor. Die Ursache für den Zusammenhang von Stress und Sprache ist den Forschern noch unbekannt. Jedoch vermuten sie, dass der Sprachstil vor allem mit psychologischen Aspekten in Bezug gesetzt werden kann.

Zuhören und Stress erkennen?

Doch um nun bei anderen Personen das Stresslevel feststellen zu können, reicht es nach Angaben der Forscher nicht, einfach besser zuzuhören. Denn der sprachliche Unterschied zwischen gestressten und weniger-gestressten Personen sei ohne statistische Auswertungsmethoden nicht erkennbar. Zudem bedarf es weiterer Forschung. Das Ziel der Wissenschaftler ist jedoch klar: Stress möglichst schnell feststellen zu können – mithilfe von Gesprächen.

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