Krebs - junge Krebspatentin

Abitur, Studium, Krebs – schwer krank in jungen Jahren

Mit Mitte zwanzig beginnt das richtige Leben. Endlich unabhängig und selbstbestimmt. Das Abitur ist in der Tasche, das Studium geschafft und der Fuß steht mit dem Praktikum schon in der Karriere-Tür. Vielversprechende Berufsaussichten eröffnen sich. Der erfolgreiche Start ins Berufsleben scheint also geglückt. Doch dann die Diagnose. Krebs! Das noch junge Leben gerät von einem Tag auf den anderen aus den Fugen. Ab sofort bestimmen Chemotherapie und Tabletten den Alltag. Ein Kampf gegen die Krankheit, der belastet und an den Kräften der Patienten zehrt. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gesellen sich zu der nackten Angst ums Überleben nicht selten finanzielle Sorgen hinzu.

Krebs?! Die Großeltern vielleicht!

Jeder zweite Deutsche erkrankt in seinem Leben an Krebs. Die Krankheit bedeutet oft Tod, Elend und Verzweiflung. Darüber spricht man nicht. Schon gar nicht, wenn sich das Leben noch in voller Blüte befindet. So verwundert es kaum, dass Krebs landläufig nur mit dem Alter in Verbindung gebracht wird. Jeder Zweite?! Die Großeltern, Eltern oder entfernte Verwandte vielleicht. Dass die Krankheit auch junge Menschen ereilen kann, wird vehement ausgeblendet.

Wie die Stiftung Junge Erwachse mit Krebs berichtet, erkranken pro Jahr 15 000 Menschen im Alter von 19 bis 39 Jahren. Von den 480 000 Krebserkrankungen jährlich anteilig drei Prozent. Besonders häufig sind Brust- und Hodenkrebs. Aber auch Hautkrebs ist laut der Berliner Stiftung keine Seltenheit. Das Erschütternde daran ist nicht die Diagnose, sondern die oft bis dahin verstreichende Zeit. Denn auch viele Ärzte unterliegen dem Irrtum der Jugend und gehen nicht gleich von einer Krebserkrankung aus.

Statistisch betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit im Alter an Krebs zu erkranken tatsächlich vielfach größer. Dieser Eindruck bestätigt sich auch für junge Menschen oftmals im Rahmen ihrer Therapie:

“Sie haben sich gerade von den Eltern abgenabelt, eine Ausbildung angefangen oder eine Familie gegründet – und dann finden sie sich zwischen 70-Jährigen in der Chemotherapie wieder”, sagt Frauke Frodl, Sprecherin der Stiftung.

Erste Hilfe nach der Diagnose

Als ersten Anlaufpunkt für junge Krebspatienten wurde die Stiftung Junge Erwachsene mit Krebs 2014 auf Initiative der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie e.V. gegründet. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, jungen Betroffenen Hilfestellung im Umgang mit der Krankheit zu leisten. Mit Forschungsprojekten und dem Ausbau eines wissenschaftlichen Netzwerkes möchte sie die Möglichkeiten der Therapie verbessern und die Versorgungssituation stärken.

Ein Gesicht, womit die Stiftung auf Krebs aufmerksam macht, ist Lisa, 22 Jahre, an einem Hodgkin Lymphom erkrankt:

“Viele Menschen denken, dass es nicht weiter geht. Ich sehe das anders. Im Großen und Ganzen kann man mit genug Unterstützung ganz normal leben. Mein größter Wunsch ist, dass die Krankheit nicht wiederkommt. Wenn aber doch, dann kann ich es nicht ändern. Dann mache ich die Behandlung nochmal.”

Wie Lisa die Diagnose und die Behandlung erlebt, erzählt sie im Video am Ende des Beitrages.

Doppelbelastung durch fehlende Absicherung

Die ohnehin schon schwer zu ertragende Krankheitssituation wird noch belastender für die Patienten, wenn finanzielle Probleme hinzukommen. Für Sprecherin Frauke Frodl wird die fehlende finanzielle Absicherung unter jungen Menschen spätestens im Krankheitsfall zu einem schwerwiegenden Problem:

“Wir hatten hier Fälle, bei denen Studenten mit Krebs das BAföG gekürzt oder ihre Wohnung gekündigt wurde.”

Rücklagen zu bilden, fällt in jungen Jahren schwer. Dennoch lässt sich neben medizinischer Vorsorge auch finanziell für den Ernstfall vorsorgen. Wie eingangs erwähnt, erkranken jährlich 15 000 Menschen zwischen 19 und 39 Jahren an Krebs. Eine Phase, in der nicht nur der Beruf Priorität hat, sondern auch die Familienplanung in den Vordergrund rückt. Eine lange Krankheit mit Todesfolge ist in jungen Jahren keinesfalls ausgeschlossen. Darum ist es wichtig die engsten Angehörigen für den Ernstfall abzusichern.

Titelbild: ©youtube